Nachdem der Dorfflohmarkt für 2025 aufgrund der schwierigen Verkehrsverhältnisse abgesagt wurde, ist in diesem Jahr eine Neuauflage geplant. Dies entspricht auch dem Meinungsbild einer Ende Februar durchgeführten Umfrage im Bürgermeister-Kanal auf WhatsApp: Hier sprachen sich 77 von 113 Teilnehmenden dafür aus, den für den 26. September 2026 angekündigten Flohmarkt trotz Baustelle wieder durchzuführen. Der Ausschuss für Kultur und Öffentlichkeit folgte nun diesem Votum. Dafür sprach unter anderem auch die aktuell entspanntere Verkehrssituation, die sich nach der für Sommer geplanten Wiedereröffnung der zentralen Kreuzung am Diffiné-Haus weiter verbessern werde. Auch 2027 soll der Flohmarkt in den Garagen und Höfen der Kirchheimer wieder durchgeführt werden.
Das Veranstaltungsangebot für 2027 soll um ein zusätzliches Fest bereichert werden. Eine Initiative um unsere Mitbürgerin Anke Schmitt plant für das kommende Jahr ein Fest der Kulturen, das die vielfältige Herkunft der Kirchheimerinnen und Kirchheimer zeigen will. Gedacht ist unter anderem an Pavillons, in denen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die aus anderen Ländern oder auch anderen Bundesländern in die Pfalz kamen, jeweils typische Speisen oder Getränke anbieten und auch etwas von ihrer Kultur zeigen können. Im Herbst soll das Konzept stehen.
Ein weiteres Thema im Ausschuss war der „Tag der Vereine“ (am 1. Mai). Dieser wurde für 2026 aufgrund der 2025 geringen Besucherzahlen gestrichen. Das Stimmungsbild im Ausschuss und bei den Vereinsvertretern ergab allerdings, dass mit einem neuen Konzept 2027 nochmals versucht werden soll, Kirchheims lebendiges Vereinsleben mit einer besonderen Veranstaltung zu präsentieren. Überlegt werden soll, ob der „Vereinstag“ gemeinsam mit dem Fest der Kulturen stattfinden kann.
Veranstaltungswerbung
Auch über die Plakat-Werbung für Vereine und Veranstaltungen hat sich der Ausschuss Gedanken gemacht. Alle Vereine, Initiativen und Winzer, die im jährlich erscheinenden Veranstaltungskalender, einem von der Ortsgemeinde erstellten Flyer, aufgenommen worden sind, sollen für ihre Veranstaltungen in den großen Schaukästen an den vier Ortseinfahrten werben können. Im Gegenzug soll sich jeder aufgeführte Veranstalter verpflichten, sich an der Briefkasten-Verteilung des Veranstaltungskalenders zu beteiligen. Auch einer der Schaukästen an der Schule soll weiterhin für Vereinsinformationen genutzt werden können. Ansprechpartnerin ist für alle Aushang-Wünsche die Beigeordnete Susanne Raaf.
Dauerhaft Umziehen müssen wegen der Neugestaltung der Bushaltestelle die drei Schaukästen auf der Westseite an der Weinstraße Süd am Schwarzen Platz. Möglicher neuer Standort könnte der kleine Platz am ehemaligen Brunnen an der Ecke Bissersheimer Straße, Weinstraße Nord und Hollergasse werden. Noch überlegt werden soll, in welchem Umfang die bisher ausgestellten Informationsangebote (Luftbild, Weinhoheiten, Geschichte Kirchheims) wieder verwendet werden können.
In drei Tagesordnungspunkten ging es um Themen aus der Dorfgeschichte. So werden aktuell „Paten“ für die der Gemeinde gehörenden historischen Gräber auf dem Kirchheimer Friedhof gesucht. Sie sollen für ein Jahr die Pflege der Gräber übernehmen. Die Kosten für den Blumenschmuck trägt dabei die Ortsgemeinde. Für die Grabstätte, die an die Opfer des Bombenangriffs auf Kirchheim im Dezember 1942 erinnert, gibt es bereits einen Paten: Hier hat sich der Heimatverein Kirchheim bereit erklärt, die Pflege zu übernehmen. Weitere Paten werden u.a. für die Gräber Diffiné, Schleußinger, Mahlerwein gesucht.
Stolpersteine
Positiv entschieden – bei einer Enthaltung – hat der Ausschuss über einen vorab zwischen den Fraktionen abgestimmten Antrag über „Stolpersteine“ für Opfer des Nationalsozialismus in Kirchheim. Der Ausschuss empfiehlt, dass der Gemeinderat grundsätzlich der Verlegung der Gedenksteine der „Stiftung – Spuren – Gunter Demnig“ im öffentlichen Raum zustimmt. Die „Stolpersteine“ – das sind ca. 10 x 10 x 10 cm große Pflastersteine mit einer Messingplakette – werden in Gehweg oder Straße verlegt. Die Plakette informiert Passanten über das Schicksal der Person, an die gedacht wird, und deren letzte freiwillig gewählte Wohnung im hinter dem Gedenkstein liegenden Haus. Stolpersteine liegen europaweit in über 1.800 Kommunen. Die Finanzierung der Stolpersteine und auch die Kosten der Verlegung soll ausschließlich über Spenden finanziert werden. Die Ortskasse wird nicht belastet. Voraussetzung für eine Verlegung durch die Stiftung ist, dass die Lebensläufe der Personen, derer gedacht werden soll, belegbar erforscht wurden. Nach Angaben der„Interessengemeinschaft Jüdisches Kirchheim“ könnten in vier Straßen Stolpersteine für mindestens acht ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger verlegt werden. Ausdrücklich wurde im Ausschuss darauf hingewiesen, dass Stolpersteine bei der Stiftung nicht nur für jüdische, sondern auch für alle anderen Opfer des NS-Regimes beantragt werden können.
Umfassendes Gedenk-Projekt
Mit dem Thema Erinnerungskultur beschäftigt sich auch die im Herbst 2025 gegründete Arbeitsgruppe der FWG Kirchheim „Erinnern. Verstehen. Weitergeben.“, für die Tina Bäter im Ausschuss erste Ideen für ein umfassendes Gedenk-Konzept vorstellte. Ziel der AG ist ein Erinnerungsprojekt, das die Kirchheimer Historie ab dem Jahr 1900 betrachtet, um benachteiligte und verfolgte Gruppen sichtbar zu machen und das Erinnern an diese Gruppen generationsübergreifend zu gestalten. Neben jüdischen Opfern sollen auch andere in der NS-Zeit Verfolgte wie Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, die Unterstützer verfolgter Menschen und Kriegsgefallene einbezogen werden. Erste Ideen für die konkrete Umsetzung sind QR-Codes an den für die Erinnerungskultur wichtigen Gebäuden, die auf ergänzende Informationen auf Kirchheims Internetseite verweisen, sowie eine zentrale Gedenktafel im Kriegerdenkmal vor der Schule. Im Ausschuss wurde die Ideenskizze positiv aufgenommen. Ohne Gegenstimmen wurde beschlossen, dass die Arbeitsgruppe das Thema auch im Gemeinderat präsentieren kann. Zugesagt wurde von der FWG-AG, dass dann konkrete Projektvorschläge und Kostenschätzungen vorliegen sollen.